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Erfolgsgeschichten von kommunen, die ihr trinkwasser von pfas befreit haben und was andere daraus lernen können

Erfolgsgeschichten von kommunen, die ihr trinkwasser von pfas befreit haben und was andere daraus lernen können

Erfolgsgeschichten von kommunen, die ihr trinkwasser von pfas befreit haben und was andere daraus lernen können

PFAS im Trinkwasser – das klingt nach einem Problem, das kaum zu lösen ist. „Ewigkeitschemikalien“, die sich weder in der Umwelt noch im Körper nennenswert abbauen, dazu komplexe Grenzwerte und teure Technik: Viele Kommunen fühlen sich verständlicherweise überfordert. Und doch gibt es sie: Städte und Gemeinden, die es geschafft haben, ihre Trinkwasserversorgung messbar von PFAS zu entlasten oder ganz frei zu bekommen.

In diesem Artikel schauen wir uns genau diese Erfolgsgeschichten an. Was haben diese Kommunen konkret getan? Welche Technologien haben funktioniert, welche nicht? Welche Rolle spielten Transparenz, politische Entscheidungen und Finanzierung? Und vor allem: Was können andere Wasserversorger und Gemeinden daraus lernen?

Was bedeutet überhaupt „Erfolg“ bei PFAS im Trinkwasser?

Bevor wir in Beispiele einsteigen, lohnt sich eine Klärung: Wann kann man eigentlich von einem „Erfolg“ sprechen, wenn es um PFAS geht?

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine große Stoffgruppe mit mehreren Tausend Verbindungen. Bei der Trinkwasserbewertung spielen heute vor allem folgende Größen eine Rolle:

„Erfolg“ kann je nach Ausgangssituation unterschiedlich aussehen:

In der Praxis ist es oft eine Kombination aus technischen Maßnahmen, organisatorischen Entscheidungen und guter Öffentlichkeitsarbeit, die am Ende den Unterschied macht.

Fallbeispiel 1: Region Rastatt/Baden-Baden – Aktivkohle und Quellverlagerung

Die Region Rastatt/Baden-Baden in Baden-Württemberg ist eines der bekanntesten PFAS-Beispiele in Deutschland. Ursache war die langjährige Ausbringung von mit PFAS-haltigen Papierbeschichtungen belastetem Kompost auf Feldern. Über das Sickerwasser gelangten PFAS in den Boden und schließlich in das Grundwasser.

Die Wasserversorger standen vor einem Dilemma: Ein großer Teil der Brunnen war betroffen, die Konzentrationen einzelner PFAS lagen teils deutlich über damaligen Leitwerten. Um den Trinkwasserschutz wiederherzustellen, wurde ein Bündel an Maßnahmen umgesetzt:

Das Ergebnis: Über mehrere Jahre konnten die PFAS-Konzentrationen im Trinkwasser schrittweise gesenkt werden. Wo anfangs Überschreitungen vorkamen, lagen die gemessenen Werte nach Umsetzung der Maßnahmen deutlich unter den gesundheitlichen Leitwerten der Behörden. Vollständig „sauber“ ist das Grundwasser in der Region zwar bis heute nicht – dafür ist die Altlast zu groß –, aber die Trinkwasserqualität für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist wieder auf einem gesundheitlich unbedenklichen Niveau.

Wesentliche Lernpunkte aus Rastatt/Baden-Baden:

Fallbeispiel 2: Uppsala (Schweden) – von PFAS-belastetem Löschschaum zum Hochleistungsfilter

Die schwedische Stadt Uppsala ist ein Lehrbeispiel für PFAS-Belastung durch Feuerlöschschäume an Militär- und Flughafengeländen. In den 2000er-Jahren wurde deutlich, dass PFAS aus historischen Übungseinsätzen in das Grundwasser migriert waren und Teile der städtischen Wasserversorgung belasteten.

Die Stadtwerke von Uppsala entschieden sich für eine technisch anspruchsvolle, aber wirkungsvolle Kombination:

In öffentlich zugänglichen Berichten der schwedischen Behörden ist dokumentiert, dass nach Inbetriebnahme der Kombinationsanlagen die PFAS-Konzentrationen im Trinkwasser um Größenordnungen sanken. In vielen Netzbereichen konnten Werte im Bereich weniger Nanogramm pro Liter (ng/L) oder unterhalb der Nachweisgrenze erreicht werden.

Spannend an Uppsala ist die konsequente wissenschaftliche Begleitung:

Für andere Kommunen zeigt dieses Beispiel: Selbst bei komplexer Belastung durch Feuerlöschschäume lassen sich mit der richtigen Technologie und konsequenter Überwachung sehr niedrige PFAS-Gehalte im Trinkwasser erreichen.

Fallbeispiel 3: Kleine Gemeinden mit großen Schritten – Brunnenstilllegung und Verbundleitungen

Während große Städte Investitionen in Millionenhöhe für Filteranlagen stemmen können, stehen kleine Gemeinden oft vor ganz anderen Herausforderungen: begrenzte Budgets, wenig Personal, selten eigene Laborkapazitäten. Dennoch gibt es auch hier Erfolgsgeschichten.

Typisch ist das Muster vieler ländlicher Gemeinden in Europa, die nach erhöhten PFAS-Funden im Grundwasser folgende Schritte gegangen sind:

Der technische Kern dieser Lösung ist eigentlich simpel: Man ersetzt belastete lokale Quellen durch Fernwasser, das streng kontrolliert und oft aus tieferen, besser geschützten Grundwasserleitern stammt. Die Hürden sind eher organisatorisch und politisch:

Wo dieser Schritt konsequent gegangen wurde, sind die PFAS-Gehalte im Netz allerdings häufig rasch und nachhaltig gesunken. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Effekt eindeutig: Das Wasser, das zu Hause aus dem Hahn kommt, entspricht wieder aktuellen gesundheitlichen Empfehlungen – auch wenn es nicht mehr aus dem „eigenen“ Brunnen stammt.

Welche technischen Lösungen haben sich in der Praxis bewährt?

Aus den genannten Beispielen lassen sich einige Technologien erkennen, die sich im Feld tatsächlich bewährt haben. Wichtig ist: Es gibt keine eine perfekte Lösung für alle. Aber es gibt bewährte Werkzeuge, aus denen jede Kommune das passende „Set“ zusammenstellen kann.

Die heute am häufigsten erfolgreich eingesetzten Verfahren sind:

In der Praxis sind es häufiger Kombinationen dieser Ansätze, die zum Erfolg führen: Aktivkohle plus Ionenaustauscher, Quellverlagerung plus kleinere GAC-Stufen, Brunnenstilllegung plus Verbundleitungen. Gemeinsamer Nenner aller Erfolgsgeschichten ist eine systematische, datengestützte Optimierung – also die Bereitschaft, Messwerte ernst zu nehmen und Anlagen bei Bedarf nachzujustieren.

Ohne Daten kein Erfolg: Monitoring als Rückgrat jeder Strategie

Alle beschriebenen Kommunen und Versorger eint ein Punkt: Sie haben nicht nur eine Maßnahme umgesetzt und dann gehofft, dass es schon passen wird. Sie haben gemessen, verglichen, nachjustiert.

Ein wirksames PFAS-Monitoring umfasst typischerweise:

Die Erfahrung vieler Wasserversorger: Wenn PFAS-Messungen einmal etabliert sind, gewinnen Planer, Behörden und auch die Öffentlichkeit deutlich mehr Vertrauen in getroffene Entscheidungen. Denn dann lässt sich belegen, dass Maßnahmen messbare Effekte haben – oder eben nachgebessert werden müssen.

Kommunikation: Wie erfolgreiche Kommunen Vertrauen zurückgewinnen

Technik allein reicht nicht. Wenn Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, man verschweige ihnen etwas, ist das Vertrauen in die Trinkwasserversorgung schnell beschädigt. Erfolgreiche Kommunen haben deshalb in der Regel auch an ihrer Kommunikationsstrategie gearbeitet.

Typische Elemente, die sich bewährt haben:

Ein wichtiger Punkt: Erfolgreiche Kommunen versprechen keine Wunder in wenigen Wochen. Sie erklären, warum PFAS-Probleme oft Jahre oder Jahrzehnte alt sind und nicht von heute auf morgen verschwinden. Gleichzeitig zeigen sie klar, welche Zwischenschritte bereits umgesetzt wurden und wie sich die Situation konkret verbessert hat.

Was andere Kommunen konkret aus diesen Erfolgsgeschichten lernen können

Was lässt sich aus all diesen Beispielen ableiten, wenn Sie in einer Gemeinde, einem Wasserwerk oder einer Behörde arbeiten, die gerade erst mit PFAS konfrontiert wird oder mitten im Prozess steckt?

Einige praktische Lehren tauchen immer wieder auf:

Ein realistischer Blick nach vorn

Wer die Beispiele aus Rastatt/Baden-Baden, Uppsala oder den vielen kleineren Gemeinden betrachtet, erkennt ein klares Muster: PFAS im Trinkwasser sind ein ernstes Problem – aber kein unlösbares. Vollständig „PFAS-frei“ wird unser Wasserkreislauf auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht sein. Doch es ist möglich, die Belastung in der Trinkwasserversorgung so weit zu senken, dass das Risiko nach heutigem Stand des Wissens als sehr gering einzuschätzen ist.

Der Weg dorthin erfordert:

Wenn Sie in einer Kommune arbeiten, die gerade erst beginnt, sich mit PFAS zu beschäftigen, können die Erfolgsgeschichten aus anderen Regionen ein wertvoller Kompass sein. Viele Fehler müssen nicht noch einmal gemacht werden – und viele funktionierende Lösungswege liegen bereits auf dem Tisch. Die Herausforderung besteht „nur“ noch darin, die passende Kombination für die eigene Situation zu finden.

Und vielleicht steht Ihre Gemeinde dann in ein paar Jahren selbst als Beispiel in einem Artikel wie diesem – als Ort, der sein Trinkwasser erfolgreich von PFAS entlastet hat und anderen zeigt, dass sich konsequentes Handeln lohnt.

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